▶Gedenkstättenfahrt des Jugendclub Courage Köln e.V.
vom 22. bis 25. Oktober 2020

▶KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora (Nordhausen)
▶Gedenkstätte Buchenwald (Weimar)
▶Erinnerungsort Topf & Söhne (Erfurt)

Eine für das vorletzte Oktoberwochenende geplante Gedenkstättenfahrt soll uns zu drei Orten in Thüringen führen, die geographisch relativ nah beieinander liegen, aber auch im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Verbrechen eng miteinander verbunden sind.
Besuchen wollen wir die in Nordhausen/Harz gelegene KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora, die Gedenkstätte Buchenwald in Weimar sowie den Erinnerungsort „Topf & Söhne“ in Erfurt.
Jedem dieser Orte möchten wir einen separaten Programmtag widmen.

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▶KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Ein Konzentrationslager des „Totalen Krieges“

Gegründet wurde „Dora“ als Außenlager des KZ Buchenwald im Sommer 1943 mit der Verlagerung der Raketenproduktion von Peenemünde in vor Luftangriffen geschützte Stollenanlagen im Kohnstein bei Nordhausen. Später kamen weitere Rüstungsprojekte hinzu: Zehntausende KZ-Häftlinge mussten 1944/45 Zwangsarbeit beim Ausbau unterirdischer Flugzeug- und Treibstoffwerke leisten.
Zu ihrer Unterbringung richtete die SS neue KZ-Außenlager ein, die im Herbst 1944 mit dem Lager Dora zum nunmehr selbständigen KZ Mittelbau zusammengefasst wurden. Dieses erstreckte sich am Ende mit fast 40 Lagern über den gesamten Harz.

Mittelbau-Dora steht exemplarisch für die Geschichte der KZ-Zwangsarbeit und der Untertageverlagerung von Rüstungsfertigungen im Zweiten Weltkrieg.
Mehr als 60.000 Menschen aus fast allen Ländern Europas mussten zwischen 1943 und 1945 im KZ Mittelbau-Dora Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsindustrie leisten. Jeder dritte von ihnen starb.

▶Gedenkstätte Buchenwald
NS-Konzentrationslager und Sowjetisches „Speziallager Nr.2“

Im Juli 1937 lässt die SS auf dem Ettersberg bei Weimar den Wald roden und
errichtet ein neues KZ. Mit dem Lager sollen politische Gegner bekämpft, Juden, Sinti und Roma verfolgt sowie „Gemeinschaftsfremde“, unter ihnen Homosexuelle, Wohnungslose, Zeugen Jehovas und Vorbestrafte, dauerhaft aus dem deutschen „Volkskörper“ ausgeschlossen werden. Schon bald wird Buchenwald zum Synonym für das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager.
Nach Kriegsbeginn werden Menschen aus ganz Europa nach Buchenwald verschleppt. Im KZ auf dem Ettersberg und seinen 139 Außenlagern sind insgesamt fast 280.000 Menschen inhaftiert. Die SS zwingt sie zur Arbeit für die deutsche Rüstungsindustrie. Am Ende des Krieges ist Buchenwald das größte KZ im Deutschen Reich. Über 56.000 Menschen sterben an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung. In einer eigens errichteten Tötungsanlage werden über 8000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen.
Nach dem Ende des Krieges wurde das Lager von der sowjetischen Besatzungsmacht als „Speziallager Nr. 2“ weitergeführt und war damit eines von insgesamt zehn Lagern und drei Gefängnissen, die zur Internierung von Deutschen benutzt wurden. Im Speziallager Nr. 2 wurden vorrangig lokale Funktionsträger der NSDAP, aber auch Jugendliche und denunzierte Personen inhaftiert. Von den 28.000 Insassen, darunter 1000 Frauen, starben über 7.000 an den Folgen von Hungerkrankheiten. Im Februar 1950, kurz nach der Gründung der DDR, wurde das Lager von den Sowjets aufgelöst.

▶Erinnerungsort „Topf & Söhne“
Techniker der Endlösung – Die Ofenbauer von Auschwitz
Seit 1939 belieferte die 1878 gegründete Erfurter Firma Topf & Söhne die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Mauthausen mit Krematoriumsöfen und ist ein prominentes Beispiel für die Zusammenarbeit privater, deutscher Firmen mit der SS sowie die Mittäterschaft der Industrie bei der Vernichtung der europäischen Juden.Von der zivilen Praxis der Feuerbestattung in städtischen Krematorien wurde nur der technische Vorgang übernommen und dabei aller kulturellen Traditionen entkleidet. Mit dem Bau von Krematorien reagierten die SS-Bauleitungen der Konzentrationslager auf die hohe Todesrate unter den Häftlingen durch Hunger, Krankheiten, Mißhandlung und Mord.
Die Wende zur Mittäterschaft der Firma Topf & Söhne am Holocaust, also an der massenhaften, industriellen Vernichtung menschlichen Lebens, kam 1941. In enger Kooperation mit der SS-Bauleitung in Auschwitz entwickelte Kurt Prüfer, Oberingenieur in der Abteilung Krematoriumsbau bei Topf & Söhne, eine Anlage für Auschwitz-Birkenau mit einer Einäscherungskapazität von täglich 4416 Körpern im Dauerbetrieb.
Damit stand der SS eine wesentliche technische Voraussetzung zur Verfügung, um Auschwitz ab 1943 zum Zentrum der Vernichtung der europäischen Juden zu machen. Die Firma installierte auch die Ventilationssysteme in den Gaskammern von Auschwitz. Die Ingenieure und Monteure von Topf & Söhne waren mehrfach vor Ort, um die Baumaßnahmen zu leiten und durchzuführen, und wurden dabei Zeuge von Massentötungen; einzelne Monteure hielten sich bis zu einem Jahr im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf.

▶Zu unserem Programm und der Vorbereitung
In den wenigen Tagen unseres Aufenthaltes an den genannten Orten ist es natürlich nicht möglich der Vielzahl der Opfergruppen und individueller Leidensgeschichten sowie der Masse der einzelnen Verbrechen und der großen Fülle an Informationen, die Täter*innen betreffend, auch nur annähernd gerecht zu werden.
Was wir neben den Überblicksführungen an den einzelnen Orten jedoch bieten möchten, sind vertiefende Blicke in die Leben und Schicksale einzelner Häftlinge, die Biografien, Kriegs- und Nachkriegskarrieren einzelner Täter*innen, eine Annäherung an das nationalsozialistische System der Lager und Außenlager und seiner Infrastrukturen auf deutschem Boden (und darüber hinaus) sowie Einblicke in die Verdrängungs- und Erinnerungsgeschichte in Ost- und Westdeutschland nach 1945.
Einzelnen der genannten Themen wollen wir uns bereits vor der Fahrt im Rahmen von inhaltlichen Vorbereitungstreffen gemeinsam annähern. In diesem Zusammenhang ist uns die lokalgeschichtliche Verbindung nach Buchenwald besonders wichtig. In Köln befand sich von September 1942 bis Mai 1944 mit der sogenannten SS-Baubrigade III ein Außenlager des KZ-Buchenwald auf dem Messegelände in Köln-Deutz, welches von geschätzten 6.000 Personen „durchlaufen“ wurde. Nach dem Abzug der SS-Baubrigade III kamen mit dem Außenlager Köln-Stadt, dem Außenlager Köln-Westwaggon und dem Außenlager Köln-Ford, drei weiter Außenlager des KZ-Buchenwald nach Köln.

▶Technisches
Interessent*innen werden gebeten sich schriftlich , am besten per Mail and jc-courage@t-online.de, bei uns zu melden. Schön wäre wenn Ihr schreibt wie alt Ihr seid, ob Ihr schon mal an einem vergleichbaren Gedenkstättenprogramm teilgenommen habt und ob es etwas besonderes bezogen auf Eure Teilnahme zu beachten gibt (z.B. besondere Essensgewohnheiten, oder so). Anreisen werden wir mit privaten PkW, deshalb ist für uns auch gut zu wissen ob Ihr einen Führerschein bzw. einen eigenen PkW habt und ggf. bereit seid während der Fahrt auch mal am Steuer zu sitzen.
Übernachten werden wir (in Zweibett-Zimmern) von Donnerstag auf Freitag im Hotel Nordhausen in Nordhausen, die darauf folgenden zwei Nächte im B&B-Hotel in Weimar.

Wir achten darauf, dass die Fahrt für alle finanzierbar ist und bleibt.

Im Moment lässt sich noch nicht wirklich absehen, wie sich die Dinge in Sachen Corona-Pandemie in den kommenden Wochen und Monaten weiter entwickeln werden.
Im Rahmen der derzeitig beginnenden „Lockerungen“ (Stand: Anfang Juni) haben jedoch auch wir begonnen die Planungen für unser Herbstprogramm 2020 zu konkretisieren – in der Hoffnung dass es möglich sein wird unsere Angebote (evtl. unter Einschränkungen) durchführen zu können.

[Die Fahrt ist derzeit ausgebucht. Wenn ihr Interesse habt, meldet euch doch bitte trotzdem. Es gibt eine Warteliste sowie die Möglichkeit die Fahrt zu wiederholen]

Inhaltliche Verantwortung: Jugendclub Courage Köln e.V. // Sechzigstr. 73 // 50733 Köln // tel: 0221. 52 09 36 // jc-courage@t-online.de
Unsere Bürozeiten: Montags bis Donnerstags von 11 - 15 Uhr
Bankverbindung: Jugendclub Courage Köln e.V. // Postbank Köln // IBAN: DE09 3701 0050 0295 4475 04 // BIC: PBNKDEFF //