Do. 18.09.25 |Against the Grain: Weiße Weiblichkeit und ziviler Ungehorsam in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre | Vortrag&Diskussion
Der Vortrag widmet sich dem Engagement Weißer Südstaaten-Aktivistinnen in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung sowie den teils scharfen Reaktionen, die sie dafür in der Weißen Mehrheitsgesellschaft erfuhren. Die idealisierte Vorstellung von Weißer Weiblichkeit nahm eine zentrale Rolle in der rassistischen Ideologie des Südens ein. Im Fokus stand der Schutz Weißer Frauen vor einer vermeintlichen Bedrohung durch Schwarze Männer, welche die angebliche Reinheit der Frauen und damit die Weiße rassistische Dominanz im Süden gefährdeten. Demnach stellten die Frauen mit ihrem Einsatz gegen die Unterdrückung und Entrechtung Schwarzer Menschen tief verwurzelte Traditionen infrage und rüttelten an den sozialen und rechtlichen Normen der Region.
Der Vortrag behandelt eine Gruppe Weißer Frauen, geboren in den 1930er und frühen 1940er Jahren, die sich in den 1960er Jahren dem rassistischen System der Südstaaten widersetzten. Es wird den Fragen nachgegangen, in welcher Weise die Frauen ihre Verkörperung der glorifizierten Weißen Weiblichkeit durch ihren Aktivismus verhandelten, und inwiefern sie dabei jene rassistischen, geschlechtsspezifischen und kulturell codierten Normen, die als Grundlage für das rassistische System im Süden fungierten, unterliefen.
Die Fallstudie verweist exemplarisch auf die enge Verbindung von Geschlecht, der Sexualisierung Weißer weiblicher Körper und politischen Aktivismus.
Clara-Sophie Höhn ist Margarete von Wrangell-Postdoktorandin an der Juniorprofessur für Nordamerikanische Geschichte der Universität Tübingen. Im vergangenen Jahr hat sie ihre Dissertation, Beyond the Pale: White Southern Female Activists and the Civil Rights Movement, 1954–1968, abgeschlossen und ist für diese mit dem Universitätspreis der Gesellschaft für Freunde der Universität Augsburg ausgezeichnet worden. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die nordamerikanische Geschichte in transatlantischer Perspektive, Geschichte des Rassismus, Geschlechtergeschichte und die Geschichte sozialer Reformbewegungen. Neben ihren akademischen Tätigkeiten engagiert sich Clara Höhn ehrenamtlich als Schöffin und im Beirat des neugegründeten Vereins „Claras Preis e.V.“ zum gleichnamigen Kurzgeschichten Wettbewerb für Jugendliche.
Moderation: Berena Yogarajah
Eine Veranstaltung des Jugendclub Courage Köln, Kölner Frauengeschichtsverein und Autonomes Feministisches Referat der Uni Köln, gefördert im Kinder- und Jugendförderplan NRW.